
Name: Jacob Hamilton
Sternzeichen: Stier
Alter: 16 Jahre
Herkunft: ziemlich kleines Kaff in Kanada, Nähe Fort Weybury
Klan: Moor
Stein: Amethyst
Verwandlung: Wolf
Der Junge trat mit vorsichtigen Schritten aus seinem Versteck. Seine Hand zitterte, als er sie hob, um die Klinke herunter zu drücken. Er hatte Angst, Angst vor dem, was ihn erwarten würde. Eiskalte Schauder schüttelten ihn im Sekundentakt, während sich mit einem leisen Knarren die Tür öffnete. Für einen Moment kniff er die Augen zusammen, dann sah er doch hin. Blut, Blut überall...
"Jacob, wach auf!" In der Dunkelheit wusste der Junge die Stimme nicht zu orten. Aber er erkannte sie. "Frederic, was machst du hier?", fragte er leicht verärgert und schlug die Bettdecke beiseite. Er wollte die Nachttischlampe anschalten, aber sie funktionierte nicht. Stattdessen strahlte ihn plötzlich eine Taschenlampe an. Er hielt sich die Hand vor die Augen, weil der Lichtstrahl ihn blendete. Ein Junge stand vor ihm, hochgewachsen, mit hellblonden Haaren und einem schmalen, blassen Gesicht. "Komm schon, Jacob, steh auf, wir müssen weg von hier!", sagte er leise und leuchtete mit der Taschenlampe im Zimmer umher. Die Aufregung in seiner Stimme war nicht zu überhören. "Wieso?", erwiderte Jacob, durch diesen Tonfall irgendwie beunruhigt. "Wieso zum Teufel weckst du mich mitten in der Nacht und behauptest, dass wir weg müssen? Mitten in der Woche..." "Ich werd' es dir später erklären.", zischte Frederic. "Los, zieh dich an!" Er warf Jacob einen warmen Parka zu und dem Dunkelhaarigen blieb nichts anderes, als den Befehlen seines großen Bruders zu folgen und sich tausendmal zu fragen, warum sie mitten in der kalten Februarnacht das Haus ihrer Großeltern verließen.
Die Küchentür stand offen und ein kalter Windzug ließ den Jungen noch mehr zusammenschrecken. Er wagte nicht, seinen Blick genauer auf die Person, die leblos auf den Küchenfliesen lag, zu richten. Aber doch wusste er genau, was los war.
Wenig später liefen die beiden Brüder dick in ihre Jacken eingepackt mit schweren Reiserucksäcken auf den Rücken durch den Wald, der an das Grundstück der Hamiltons grenzte. Es lag immer noch Schnee, was im nördlichen Kanada zu dieser Jahreszeit kein Wunder war. "Würdest du mir jetzt bitte erklären, was los ist?", fragte Jacob, der vor Neugier und Angst fast platzte. "Dad.", antwortete Frederic. "Er hat angerufen." Jacob lief ein Schauer über den Rücken und er zog seinen Parka noch enger zusammen. "Und?" "Er hat gesagt er kommt und holt uns. Genau wie Mum." Für einen Moment blieb Jacob stehen, während Frederic unbeirrt weiter lief. Dad - kommt - holt uns. Die Worte hallten in Jacobs Kopf wieder. Er musste sich beeilen um Frederic mit seinen langen Beinen wieder einzuholen. "Wo gehen wir hin?" "Fort Weybury." "Aber..." Jacob verstummte als er die Angst in den Augen seines großen Bruder sah. Blankes Entsetzen packte ihn und schob die Wut über die nächtliche Störung beiseite. "Komm.", sagte Frederic und seine sonst so melodische Tenorstimme klang heiser und voll Angst. "Der nächste Bus nach Calgary fährt in zwei Stunden." Jacob drehte sich ein letztes Mal um und betrachtete das Haus, wie es im fahlen Mondlicht da lag. "Auf Wiedersehen, Gran.", flüsterte er. "Ich werde dich vermissen." Dann wand er sich um und rannte hinter Frederic her. Alles was blieb waren Spuren im Schnee.
Alles was blieb, waren Spuren aus Blut. Wie in Trance betrachtete der Junge nun doch die Leiche, das Blut, die Einschussstelle. Dann begann er laut und gellend zu kreischen.
Fort Weybury lag wenige Kilometer von der Heimatstadt der Jungen, die schon eher ein Dorf war, entfernt. Frederics Plan lautete, den nächsten Bus nach Calgary zu nehmen. Weiter reichte sein Horizont noch nicht. Aber Jacob vertraute ihm. "Wie weit willst du mir folgen, Jacob?", hatte Frederic gefragt, als sie sich nebeneinander in die müffelnden Sitzen des Überlandbusses fallen ließen. Jacob hatte seinen Bruder verwirrt angeschaut und schließlich gesagt: "Bis ans Ende der Welt. Wir sind Brüder, oder?" "Ja, wir sind Brüder.", hatte Frederic erwidert und für einen kurzen Moment hatte Jacob geglaubt, sein Bruder würde lächeln. Aber vielleicht war es nur ein Schattenspiel der Nacht gewesen. Müde und erschöpft ließ er seinen Kopf an die Fensterscheibe des Busses sinken und war schon kurz darauf in Alpträumen versunken.
"Mum! Mum! Nicht, Mum!" Der Junge sank auf seine Knie und ballte seine blassen Hände zu Fäusten. Seine zerrissenen Jeans begannen, das Blut wie ein Schwamm aufzusaugen. Aber das war ihm in diesem Moment unwichtig. Er stricht der Frau die kastanienbraunen, blutverschmierten Haare aus dem Gesicht. Ein Gesicht voller Schrecken.
Jemand rüttelte Jacob und er blickte in ein Paar ozeanblauer Augen. Frederics Augen. "Wir sind da, Jake.", sagte er. Schlaftrunken richtete Jacob sich auf und stolperte hinter Frederic aus dem Bus. Sie waren in Calgary.
Aber das war Frederic noch nicht genug. "San Francisco?" Jacob sah seinen großen Bruder entsetzt an. "Haben wir überhaupt genug Geld?" "Wir trampen.", entgegnete Frederic. "Und Überlandbus ist zwar unbequem aber billig. In San Francisco ändern wir unsere Identitäten, färben unsere Haare und suchen uns 'nen Job. Was sagst du?" Jacob konnte nur den Kopf schütteln. "Hätten wir nicht schon lange die Polizei einschalten sollen?", fragte er. Frederic sah ihn mit seinen ozeanblauen Augen fest an und erwiderte: "Vertraust du der Polizei noch?" Jacob schüttelte den Kopf. Wie auch? Sie taten nichts.
Die Polizei kam, das Haus wurde abgesperrt, der Junge und sein Bruder zu ihren Großeltern gebracht. Aber nichts geschah. Niemand wurde verurteilt oder festgenommen. Weil niemand den Mörder kannte. Und weil niemand die Jungen fragte.
Als sie die Rocky Mountains überquerten, wurde Jacob von einer schweren Erkältung gefasst. Darauf folgte ein schweres Fieber und sie blieben einige Tage in einem heruntergekommenen Motel in Salt Lake City. Frederic besorgte von ihrem letzten Geld Medizin und bald fühlte sich sein Bruder wieder besser, sodass sie weiter ziehen konnten, auch wenn jetzt nur noch Trampen und Fußmärsche möglich waren. Sie übernachteten in leerstehenden Gebäuden oder schlugen ihr Zelt auf Wiesen auf. Frederic wurde zunehmend zuversichtlicher, je näher sie San Francisco kamen.
Doch eines Abends fing Jacob wieder an, zu husten. Sie fanden gerade noch rechtzeitig einen Unterschlupf in einer leerstehenden Scheune, bevor ein warmer Regenguss auf die Erde niederging. Zunächst saßen sie nur schweigend beieinander, Jacobs schwerer Husten und das Prasseln des Regens auf das Wellblechdach waren die einzigen Geräusche, die die Stille durchdrangen."Was will er überhaupt?", fragte Jacob plötzlich und sprach sehr direkt die Frage an, die sich die Beiden schon lange gestellt hatten. "Er weiß genau, dass Mum kaum Geld hatte." Frederic zuckte nur mit den Schultern und warf seinem jüngeren Bruder, der schon wieder hustete, einen mitleidigen Blick zu. "Vielleicht will er uns einfach nur beseitigen. Vielleicht wissen wir zu viel." "Ich wünsche mir immer, dass das alles nur ein böser Traum ist, aber jeden Morgen, wenn ich aufwache, weiß ich, dass das die Realität ist.", sagte Jacob mit rauer Stimme. "Das ist das Leben und wir müssen es durchstehen. Irgendwie. Man stirbt sowieso. Ob jetzt oder später." Seine Worte klangen hoffnungslos. Frederic hielt ihm den Hustensaft hin, aber Jacob schüttelte den Kopf. "Lieber sterbe ich an Fieber als erschossen zu werden.", flüsterte er heiser und rollte sich in seinem Parka zusammen. Frederic hielt ihm die Hand an die Stirn. Jacob war glühend heiß. "Jake, du musst die Medizin nehmen!", flehte er, aber Jacob schüttelte den Kopf und hustete. Seine Stimme war nur noch hauchdünn: "Du musst nach San Francisco, Fred, du kannst fliehen. Du wirst es schaffen. Ich werde sicher sein, wo immer ich diese Nacht hin verschwinde. Er wird uns nicht kriegen, uns beide nicht. Du bist der beste Bruder, den es gibt." Seine Lider schlossen sich über seine dunkelbraunen Augen und er schlief mit einem Lächeln auf den Lippen ein.
In seinen Träumen jedoch wurde der Junge von einer Gestalt heimgesucht. Er erkannte das Gesicht nicht, es versteckte sich im Schatten. Aber er wusste genau, dass er es war. Der Mörder seiner Mutter. Der Mann, blutbespritzt und mit einer Pistole in der rechten Hand. Jedes Mal traf den Jungen die Erkenntnis mit Angst und Entsetzen. Es war sein Vater.
Jacob Hamilton ist weder besonders mutig noch sehr ängstlich. Er hatte keine Angst vor einem friedlichen Tod, aber er fürchtete den gewaltsamen. Wenn man ihm dennoch die Chance geben würde, zu kämpfen oder zu fliehen, würde er kämpfen. Wahre Freunde würde er sogar mit dem Leben verteidigen.
Als Jacob 15 Jahre alt war, tötete sein Vater Frederics und Jacobs Mutter in einem Ehestreit per Kopfschuss. Dieses Erlebnis machte Jacob misstrauisch und schreckhaft. Nachdem der Vater spurlos verschwunden war und die beiden Jungen zu ihren Großeltern gezogen waren, sah Jacob immer noch hinter jeder Ecke seinen Vater lauern und erschrak jedes Mal, wenn das Telefon klingelte, hellwach und bereit, zu fliehen. Der einzige Mensch dem er noch Glauben schenkte, war sein 2 Jahre älterer Bruder Frederic. Immer noch ist Jacob sehr vorsichtig damit, was er sagt und tut. Sein Handeln ist niemals spontan, aus Angst, sich dadurch in Gefahr zu bringen.
Er ist außerdem eher ein Einzelgänger und sorgt lieber für sich selbst, als sich bedienen zu lassen. Er hat sich früher oft ein Haustier oder ein kleines Geschwisterchen gewünscht, auf das er aufpassen und das er beschützen konnte. Er hasste es, immer 'der Kleine' zu sein, obwohl er kurz vor seinem Tod schon fast so groß wie Frederic war.
Man kann Jacob nicht oft glücklich sehen, er lächelt kaum und hat schon fast etwas melancholisches an sich. Er geht selten auf Leute zu und ist eher verschlossen. Wer Jacobs Vertrauen und Freundschaft gewinnen will, muss sich unter Beweis stellen und oft dauert es lange, bis Jake eine freundschaftliche Andeutung erwidert.